Mädchenarbeit

Als Szenenwechsel sind wir offen für vielfältige Lebensweisen und entwickeln mit den Mädchen und jungen Frauen diskriminierungskritische Haltungen und sensibilisieren sie auch für sprachliche Diskriminierung. Unser Verständnis von zeitgemäßer Mädchenarbeit beruht auf folgenden Leitlinien:

  • Mädchenarbeit geht von der Grundannahme aus, dass Mädchen und junge Frauen nach wie vor auf vielen gesellschaftlichen Ebenen Benachteiligungen erfahren und über das Mädchen – Sein hinaus oft auch von weiterer Diskriminierung betroffen sind.
  • Mädchenarbeit bedarf eines Grundwissens über „biologische, psychologische und kulturell-gesellschaftliche Rahmenbedingungen“[1].
  • Mädchenarbeit muss darauf achten, dass der Grundsatz der Individualität gewahrt wird. Niemand sollte „in ein vorgegebenes Raster gezwängt werden, das [ihm] die Luft zum Atmen nimmt“[2].
  • Mädchenarbeit fördert das Selbstbewusstsein der Mädchen und jungen Frauen und ermöglicht ihnen Selbstwirksamkeitserfahrungen. Die Vorbildwirkung von Bezugspersonen kann ihnen dabei helfen, ihre eigenen Fähigkeiten voll zu „entfalten“, die sie nach Ergebnissen wissenschaftlicher Studien eher unterschätzen.
  • Mädchenarbeit unterstützt die Erschließung neuer Räume für Mädchen und ermutigt sie, ihr „Verhaltensrepertoire“[3] zu erweitern.
  • Mädchenarbeit fördert durch Bewegung und sportliche Aktivitäten die Entwicklung einer positiven Haltung zum eigenen Körper.
  • Mädchenarbeit ist sich dessen bewusst, dass es auch Mädchen und junge Frauen gibt, die besonders benachteiligt sind und deshalb einer zusätzlichen Förderung bedürfen.
  • Mädchenarbeit darf bei all ihren Bemühungen und Anliegen Mädchen und junge Frauen aber nicht überfordern.

Die Prinzipien, die unsere Arbeit leiten sind: Parteilichkeit, Pädagoginnen als Identifikationsfiguren, Partizipation und Empowerment. Parteilichkeit bedeutet die Mädchen so zu akzeptieren, wie sie sind und immer ihre Interessen und Wünsche im Blick zu haben. Es geht darum, ihre Ressourcen und damit ihre Stärken wahrzunehmen, ohne alles gutzuheißen, was sie tun oder denken. Sie sollen in ihrer Entwicklung zu selbstbestimmten und mündigen Persönlichkeiten unterstützt werden.

Pädagoginnen als Identifikationsfiguren: Die im Szenenwechsel tätigen Pädagoginnen dienen den Mädchen als Identifikationsfiguren und zeigen ihnen vielfältige und alternative Lebensentwürfe auf. Wir unterstützen Mädchen indem wir sie aktiv ermutigen, bestärken und dabei begleiten andere Lebensentwürfe für sich zu erschließen.

Partizipation: Wir ermöglichen den Mädchen Beteiligung, Mitgestaltung und Mitwirkung an den Angeboten. Durch dieses Erleben erfahren sie sich als selbstwirksam und entwickeln Lust sich gesellschaftlich einzubringen. Bei Entscheidungsprozessen werden sie mit einbezogen, unsere Peer-Helperinnen können teilweise sogar alleine Entscheidungen treffen. Unsere Besucherinnen waren auch an der Konzeptentwicklung beteiligt. Im Rahmen mehrerer Zukunftswerkstätten konnten sie sich und ihre Wünsche mit einbringen.  Empowerment: Wir machen die Stärken der Mädchen sichtbar, schaffen Erfolgserlebnisse, und haben dabei einen ressourcenorientierten Blick.  Der Szenenwechsel stellt einen geschützten Raum dar, einen Freiraum, in dem Mädchen sich ausprobieren und entfalten können  und Selbsterfahrung sammeln. [1] Vgl. dazu: Matzner, Michael, S. 401 [2] Vgl. ebd. S. 403 [3] Vgl. ebd.